Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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18.11.2007

Informationsmanagement - The European Way

Öffentlichkeit ist ein wesentliches Element des demokratischen Gemeinwesens. Der Europäischen Gemeinschaft wird immer wieder das Fehlen bürgernaher und demokratischer Strukturen vorgeworfen, die verbunden mit einer überbordenden Bürokratie angeblich ihren Teil dazu beitragen, das Wachsen einer europäische Öffentlichkeit mindestens zu behindern. An dem Bereitstellen von Informationen allein kann es nicht liegen, denn entgegen dem von den Medien gerne gepflegten Vorurteil ist das entsprechende Angebot der EU umfangreich und transparent - insbesondere für professionelle Medienvertreter. Es reicht von Pressediensten über öffentlich zugängliche Datenbanken bis hin zu Europe by Satellite (EbS). Das EbS präsentiert tagesaktuell Filme und Bewegtbild-Material, das per Satellit oder Internet abgerufen werden kann. Jeden Tag werden die regelmässigen Pressekonferenzen der Kommission – das sog. Midday Briefing oder auch rendez-vous de midi - live übertragen – ebenso wie Tagungen und Veranstaltungen zu EU-Themen oder die Sitzungen des Europäischen Parlaments. „Für Journalisten ist Brüssel ein einfaches und kompliziertes Arbeitsfeld zugleich.“, meinen deshalb Julia Lönnendonker und ihre Kolleginnen vom AIM Research Consortium, „Einfach, weil viele Dokumente, Kommentare, Fakten, Daten und Informationskanäle zur Verfügung stehen. Kompliziert wegen winziger Details und Nuancen im Informationsmanagement – es gibt da gewisse Normen, Regeln, Strukturen und den hierachisierten Zugang zu Nachrichtenquellen.“

In Brüssel konzentrieren sich heute die meisten Korrespondenten an einem Ort weltweit. Das war nicht immer so. Die erste offizielle Akkreditierungsliste von 1955 weist gerade mal 23 Namen aus, von denen die Hälfte für die großen Presseagenturen arbeitete. Zwanzig Jahre später hatte sich die Zahl verzehnfacht, heute sind über 1.000 Personen gelistet. Das hängt natürlich mit den hinzu gekommenen EU-Mitgliedsstaaten zusammen, ein deutlicherer Anstieg der Medienrepräsentanten ist allerdings mit dem Vertrag von Maastricht und der Einführung des Euro verknüpft. Kuriosität am Rande: noch bis 1995 war bei EU-Pressekonferenzen Französisch die einzige offizielle Sprache, erst danach sprach man im press room auch Englisch.

Der Medienplatz Brüssel weist allerdings gegenüber vergleichbaren Zentren wie Washington eine Besonderheit auf. Die ständigen EU-Korrespondenten sind in aller Regel in die besonderen Gegebenheiten ihrer jeweiligen nationalen Presselandschaften und damit verbundener nationaler Interessenlagen eingebunden. Zudem ist der Status der EU-Kommission unklar – sie ist keine „richtige“ Regierung und nur bedingt „legitimiert“. Deshalb bedienen sich ihre Sprecher – so AIM – einer „wesentlich fachlichen, Experten-orientierten Sprache“. In der Regel betont die EU-Kommission bei der Vorstellung von Entscheidungen die ihnen zugrunde liegenden rationalen und wissenschaftlichen Überlegungen. Dabei werden der europäische Entscheidungsprozess und damit zusammenhängende mögliche Dissonanzen oder andere Optionen ausgespart – die „Verwaltung“ spricht mit einer Stimme, obwohl die Kommission ein eher politisches Gremium ist. Wenn Medienvertreter über die „wirkliche EU-Politik“ berichten wollen, wenden sie sich deshalb direkt an die politischen EU-Gremien, den Europäischen Rat oder das Europaparlament. In beiden Institutionen agieren aber jeweils nationale Vertreter, damit schließt sich der Kreis wieder. „Allgemeiner gesprochen“, schreibt AIM, „wird die Bedeutung der nationalen Repräsentanten und ihrer Orientierung auf nationale Themen von dem Wissen der Korrespondenten noch unterstrichen, dass sich Nachrichten daheim in der Redaktion leichter verkaufen lassen, wenn sie einen direkten Bezug und Einfluss auf die nationale Öffentlichkeit haben.“

Die Berichterstattung über „Europa“ findet so stets aus 27 unterschiedlichen Perspektiven statt. Eine stärkere „Europäisierung“ der Öffentlichkeit muss zwangsläufig zunächst die nationalen Sichtweisen auf und die entsprechenden Vorbehalte und Vorurteile gegen Europa thematisieren, um einen Schritt in Richtung europäische Öffentlichkeit zu gehen.

Mehr Informationen zum AIM Research Consortium (Adequate Information Management in Europe) finden Sie hier

Den Audiovisuel service der EU-Kommission (“Sharing the sights and sounds of Europe”) finden Sie hier

Veröffentlichungen des Europäischen Rates  hier

Einen „Wegweiser für Journalisten“ mit allen wichtigen EU-Adressen steht als download hier

 

 


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